20.08.2025 Kategorien: Compliance, Corporate Finance / M&A, Financial Reporting, Leseempfehlungen, Newsletter, Steuerrecht, Wirtschaftsprüfung

ie Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt weiter deutlich an. Während weltweit für 2025 ein Anstieg von rund +6 % prognostiziert wird (Allianz Trade), liegt Deutschland mit einem erwarteten Plus von +10 % deutlich über dem internationalen Durchschnitt. Damit setzt sich die Entwicklung des Vorjahres fort, das bereits den stärksten Anstieg seit einem Jahrzehnt verzeichnete.

Aktuelle Zahlen und Prognosen

  • Laut Creditreform wurden im ersten Halbjahr 2025 rund 11.900 Unternehmensinsolvenzen registriert – ein Plus von 9,4 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und der höchste Stand seit mehr als zehn Jahren.

  • Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) meldete für April 2025 einen Anstieg von +11,5 % gegenüber dem Vorjahr.

  • Allianz Trade rechnet für 2025 mit insgesamt 24.300 Insolvenzen in Deutschland (+10 %) und einem weiteren leichten Anstieg um +2 % im Jahr 2026.

  • Global prognostiziert Allianz Trade für 2025 ein Plus von +6 % und für 2026 von +3 %. Atradius sieht ab 2026 sogar einen Rückgang von etwa –5 %.

Ursachen der Entwicklung

Die Insolvenztreiber sind vielfältig und ziehen sich durch alle Branchen:

  • Kostensteigerungen bei Energie, Personal und Material

  • Schwache Exportdynamik und globale Nachfrageflaute

  • Strengere Kreditbedingungen und eine restriktivere Finanzierungspraxis

Besonders betroffen sind die Bauwirtschaft sowie das verarbeitende Gewerbe, aber auch der Mittelstand steht unter zunehmendem Druck.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

In diesem Umfeld reicht reaktives Handeln nicht mehr aus. Entscheidend ist, frühzeitig Strategien zu entwickeln, um Risiken abzufedern:

  1. Szenarioanalysen und Liquiditäts-Checks: Simulation unterschiedlicher Markt- und Zinsentwicklungen, um Engpässe rechtzeitig zu erkennen.

  2. Portfolioprüfung: Trennung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Assets kann Kapital freisetzen und die finanzielle Flexibilität erhöhen.

  3. Operative Resilienz: Kostenoptimierung, Prozessbeschleunigung und klare Entscheidungswege erhöhen die Krisenfestigkeit.

Fazit

Auch wenn das aktuelle Niveau im historischen Vergleich – etwa zu den 2000er-Jahren – noch als „moderat“ bezeichnet werden kann, zeigt der Trend eindeutig nach oben. Die entscheidende Lehre aus früheren Zyklen: Je früher ein Unternehmen reagiert, desto größer ist der Handlungsspielraum.

In einem Umfeld, das von Unsicherheit, Kosten- und Finanzierungsdruck geprägt ist, kann Geschwindigkeit und Klarheit in der Entscheidungsfindung den Unterschied machen – ob Restrukturierung aus eigener Stärke oder unter fremden Vorgaben.